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Interventionelle Rückenschmerz-Therapie

Verstehen und gezielt behandeln

Ein Blick auf Ursachen und Therapieoptionen

Wir möchten Sie an dieser Stelle nicht mit all zu viel Theorie quälen. Ein grundlegendes Verständnis des Aufbaus unserer Wirbelsäule ist jedoch erforderlich, damit Sie den weiteren Ausführungen folgen können. Unsere Wirbelsäule ist ein Turm aus übereinandergestapelten Wirbelkörpern, zwischen denen sich jeweils eine Bandscheibe befindet. An die Wirbelkörper schließen sich nach hinten die Wirbelbögen an. Wirbelkörper und Wirbelbögen umschließen gemeinsam den Wirbelkanal, durch den das Rückenmark verläuft.

An den Wirbelbögen befinden sich außerdem die Wirbelgelenke. Zwischen Wirbelkörper und Wirbelgelenk bleibt jeweils eine Lücke, das sogenannte Nervenwurzelloch, durch das auf jeder Etage zu beiden Seiten hin jeweils eine vom Rückenmark ausgehende Nervenwurzel die Wirbelsäule verlassen kann. Diese Nervenwurzeln bilden dann im weiteren Verlauf die Nerven, die unseren gesamten Körper versorgen.

Warum schmerzt der Rücken?

Rückenschmerzen können vielfältige Ursachen haben. Akut oder chronisch entzündliche, sowie tumorbedingte Veränderungen sind zum Glück relativ selten.

In den weitaus meisten Fällen ist eine Kombination aus muskulären Verspannungen und verschleißbedingten Schäden der Grund für die Schmerzen im Rücken. Spätestens wenn sich nach ersten Therapieversuchen, z.B. mit Krankengymnastik und Schmerzmitteln, der gewünschte Behandlungserfolg nicht einstellt, erfolgt häufig eine Schnittbildgebung mittels Computertomographie (CT) oder Kernspintomographie (MRT).

Häufig werden hierbei dann verschleißbedingte Veränderungen an Bandscheiben und Wirbelgelenken festgestellt, in deren Folge es zu Engstellen am Wirbelkanal (Spinalkanalstenose) und an den Nervenwurzellöchern (Neuroforamenstenose) kommt.

Das heißt noch nicht zwangsläufig, dass diese auch die Ursache der Beschwerden darstellen. Wenn jedoch wie oben geschildert vorangegangene Behandlungsversuche erfolglos waren und das Beschwerdebild zum Befund passt, darf davon ausgegangen werden, dass die festgestellte Veränderung auch ursächlich für die Schmerzen ist.

Wann sollte operiert werden?

Nach wie vor wird in dieser Situation häufig zu schnell die Entscheidung zur Operation getroffen. Unter allen beteiligten Fachrichtungen herrscht jedoch übereinstimmend die Auffassung, dass nur 2 Situationen eine Operation rechtfertigen.

Situation 1
ist dann gegeben, wenn erhebliche Lähmungserscheinungen bestehen und jedes weitere Zuwarten die Gefahr mit sich bringen würde, dass bleibende Schäden entstehen.

Situation 2
tritt ein, wenn erhebliche Beschwerden fortbestehen, obwohl bereits eine „angemessene und geeignete“ Therapie durchgeführt wurde.

Was bedeutet eigentlich interventionelle Schmerztherapie?

Unter Interventioneller Schmerztherapie wird das gezielte Spritzen von Medikamenten an die von den o.g. Veränderungen betroffenen Strukturen verstanden.

Zum Einsatz kommen hierbei neben stark entzündungshemmend und abschwellend wirksamen Medikamenten v.a. örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetika). Diese werden verwendet um eine „Repetitive Therapeutische Lokalanästhesie“ durchzuführen.
Hinter dem komplizierten Begriff verbirgt sich die simple Feststellung, dass ein Nerv oder eine Nervenwurzel an den wiederholt und in kurzen zeitlichen Abständen ein örtliches Betäubungsmittel gespritzt wird dadurch anhaltend schmerzunempfindlicher wird.

Diverse unterschiedliche Techniken stehen zur Verfügung, um die Behandlung so gezielt wie möglich durchzuführen.

Die wichtigsten Techniken

1. Epidural-perineurale Infiltration

Spritze in den Wirbelkanal an die Innenseite des Nervenwurzelloches.  Anwendung bei eher wenig neben der Mittellinie gelegenen Bandscheibenvorfällen oder anderen Engstellen.

2. Epidural-dorsale Infiltration

Spritze in den hinteren Bereich des Wirbelkanals. Alternative Technik bei Spinalkanal- oder Neuroforamenstenosen.

3. Periartikuläre Infiltration​

Spritze an das Wirbelgelenk. Anwendung bei Nervenwurzellochengen die durch eine Schwellung der Wirbelgelenkskapsel verursacht werden, sowie bei unmittelbar durch eine Reizung des Wirbelgelenkes verursachten Beschwerden.

4. Paravertebral-perineurale Infiltration​

Spritze an die Außenseite des Nervenwurzelloches. Anwendung bei eher seitlich gelegenen Bandscheibenvorfällen oder anderen Engstellen.

Ziel der Therapie

Die Diagnosen Bandscheibenvorfall, Spinalkanalstenose oder Neuroforamenstenose müssen keinesfalls bedeuten, dass diese Ihnen für den Rest ihres Lebens Beschwerden bereiten.

Häufig kommt es nach einer Phase von einigen Jahren wieder zu einem deutlichen Rückgang der Beschwerden.

Da es inzwischen erwiesen ist, das bei vergleichbaren Ausgangsbefunden die Gruppe der nicht-operierten gegenüber der Gruppe der operierten mittel- und langfristig unter deutlich weniger Beschwerden leidet, muss es Ziel der Behandlung sein Sie möglichst ohne Operation durch die beschwerdehafte Phase zu führen und Ihnen während dieser Zeit die aktive Teilhabe am privaten und beruflichen Leben zu ermöglichen.

Hierfür können ggf. verlaufsabhängig wiederholte Behandlungen erforderlich sein.

Der Versuch lohnt sich

Es gibt durchaus Situationen, in denen Operationen an der Wirbelsäule sinnvoll oder sogar erforderlich sind. Häufig führen sie jedoch nicht zu dem gewünschten Erfolg. Oft leiden die Patienten danach weiter unter ausgeprägten Beschwerden. Ursache hierfür können u.a. Vernarbungen im Wirbelkanal sein. Diese erschweren dann nicht selten die weitere Behandlung erheblich.

Obwohl selbstverständlich auch bei einer Interventionellen Rückenschmerztherapie der Erfolg nicht garantiert werden kann, sollten daher unbedingt vor einer Operation alle konservativen Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft sein.

Lassen Sie sich also nicht voreilig operieren!
Ein Behandlungsversuch mit gezielten Infiltrationen lohnt sich fast immer!

Wenn Sie sich über die Möglichkeiten einer Interventionellen Schmerztherapie näher informieren möchten, vereinbaren Sie doch einfach einen Termin in unserer Sprechstunde.